Eine antisemitische Rede, gehalten von Viktor Orban am 15. März in Budapest

Im gestrigen Text über die Ermordung von Sergei Skripal erwähnte ich einen antisemitischen Text des deutschen Bloggers Hadmut Danisch. Jetzt will ich eine Rede Viktor Orbans besprechen. Demnächst folgt noch ein Beitrag über den Antisemitismus der deutschen Neuen Rechten.

Der Text von Orbans Rede ist auf Deutsch dankenswerterweise vom Falun-Gong-Medium Epoch Times dokumentiert worden.

Es ist komisch. Persönlich hat mich das Thema antisemitische Ideologie lange nicht interessiert. Aber wenn man erst einmal eine gewisse Sensibilität für das Thema entwickelt hat, merkt man: es ist einfach Ü B E R A L L. Ich glaube, dass wir in den nächsten Jahren ein richtiges Revival des rechten Antisemitismus erleben werden, bzw. es untergründig gerade schon da ist.

Am 15. März, dem ungarischen Nationalfeiertag, hielt Viktor Orban in Budapest vor Unterstützern eine antisemitische Rede. Er gedachte des ungarischen Freiheitskampfes 1848/49 gegen die Habsburgmonarchie, der polnisch-ungarischen Freundschaft, aber vor allem – drei Wochen vor den Wahlen – dem heutigen Kampf um die Freiheit, ja die Existenz der ungarischen Nation.

Im Folgenden picke ich mir die Passagen heraus, in denen Orban bzw. seine geschickten Redenschreiber der nationalen Ideologie und den antisemitischen Andeutungen Ausdruck verleihen. Die ganze Rede ist aber lesenswert. Sie sagt viel aus über das prekäre Stabilitäts- und Nationalgefühl dieses in seiner Geschichte immer wieder erschütterten Landes. Außerdem überrascht es zumindest meine, die Bräsigkeit deutscher Rhetorik gewohnten, Ohren die radikale Weise, in der Orban Heimatlichkeit in Gegensatz zum westeuropäischen Liberalismus setzt. In diesem könne das Individuum zwar nach vielem streben, sagt er, aber letztlich habe es keinen Ort mehr, an dem das Leben als sinnvoll erfahrbar sei:

Man braucht einen Ort, eine Sprache, ein Zuhause, wo der Mensch unter den Seinen, in Sicherheit und Liebe sein Leben leben kann.

Ein Ort, an den Ihr zurückkehren könnt, wo Ihr spüren könnt, dass das Leben nicht vergebens ist, und auch am Ende nicht in das Nichts fällt. Es addiert sich und baut sich in die tausendjährige großartige Schöpfung ein, die wir einfach nur als Heimat, als ungarische Heimat bezeichnen.

Darum sei also der Kampf zu führen. „In kaum mehr als drei Wochen werden wir erneut über das Schicksal Ungarns entscheiden“, setzt Orban mit großer Geste an. Es sei mehr als nur eine Wahl: es sein ein Kampf um die Existenz.

Die Situation ist die, meine lieben Freunde, dass man uns unser Land nehmen will. Nicht mit einem Federstrich, wie vor hundert Jahren in Trianon. Jetzt will man, dass wir sie im Laufe einiger Jahrzehnte freiwillig anderen übergeben sollen, von anderen Kontinenten kommenden Fremden, die unsere Sprache nicht sprechen, unsere Kultur, unsere Gesetze und unsere Lebensform nicht respektieren.

Schon jetzt könne man beobachten,

dass große westeuropäische Völker und Nationen Schritt für Schritt, von Bezirk zu Bezirk, von Stadt zu Stadt ihr Land verlieren. Die Situation ist die, dass jene, die die Einwanderung an ihren Grenzen nicht aufhalten, verlorengehen. … All dies wollen uns äußere Kräfte und internationale Mächte aufzwingen, mit Hilfe ihrer Handlanger hier in Ungarn, und die vor der Tür stehenden Wahlen betrachten sie als eine gute Gelegenheit hierzu.

Da sind sie, die „äußeren Kräfte und internationale Mächte“, die von außen die Ansiedlung von Einwanderern erzwingen wollen. Es geht Organ dabei bei weitem nicht nur um die Pläne der EU und besonders Deutschlands, zumindest einen Teil der Kriegsflüchtlinge in Europa zu verteilen. Nein, der Kampf findet auf einer höheren Ebene statt, hat eine ideologische und geradezu weltgeschichtliche Dimension:

Europa und in ihm wir, Ungarn, sind an einem weltgeschichtlichen Wendepunkt angekommen. Noch nie haben sich die nationalen und die globalistischen Kräfte derart offen gegeneinander gestemmt.

Auf der einen Seite sind wir, die national gesinnten Millionen, auf der anderen Seite die Elite der Weltbürger. Auf der einen Seite wir, die wir an die Nationalstaaten, den Schutz der Grenzen, den Wert der Familie und der Arbeit glauben, und uns gegenüber jene, die eine offene Gesellschaft, eine Welt ohne Grenzen und Nationen, neuartige Familien, abgewertete Arbeit und billige Arbeiter wollen, über die eine Armee undurchschaubarer Bürokraten herrscht, die man nicht zur Verantwortung ziehen kann.

Nationale und demokratische Kräfte auf der einen und übernationale sowie antidemokratische Kräfte auf der anderen Seite. So sieht die Lage in Ungarn 24 Tage vor den Wahlen aus.

Das ist die Ideologie der Neuen Rechten, wie man es auch von anderen Rechtsparteien wie etwa dem Front National hören könnte. Interessant ist auch, wie der Präsident des Billiglohnlandes Ungarn, das nach den Wirtschaftskollapsen der Nachwendezeit stark davon profitierte, zum „Hinterland“ der mitteleuropäischen Industrie zu werden, gegen „abgewertete Arbeit und billige Arbeiter“ polemisiert. Natürlich weiß auch er, dass das starke Wachstum Ungarns genau auf dieser abgewerteten Arbeit basierte, wie auch an den Möglichkeiten der Ungarn, in den westeuropäischen Billiglohnsektor zu emigrieren. Orban will daran nichts ändern, denn er und seine Klassengenossen profitieren von diesem Zustand am meisten. Aber er will die Verantwortung dafür – nicht ganz zu Unrecht, aber eben heuchlerisch – bei den Internatonalisten und Bürokraten der EU abladen.

Denn, so fährt er fort, der Feind der Ungarn komme von außen. Nicht in der Nation werden die Probleme der ungarischen Bevölkerung verursacht, sondern außerhalb von ihr. Doch der Feind stehe nicht nur außerhalb der ungarischen, er stehe außerhalb von jeder Nation: denn bei dem Feind handelt es sich um ein über-nationales, schattenhaft organisiertes Netzwerk. Dieses sei größer als nur die Organisationen des jüdischen Investors George Soros. Er sei es aber, der dieses Imperium, quasi als Prinzip, „verkörpert“:

Wir sollten uns selbst nicht täuschen, wir müssen nicht mit den blutarmen kleinen oppositionellen Parteien ringen, sondern mit einem zu einem Imperium organisierten internationalen Netzwerk.

Durch ausländische Konzerne und inländische Oligarchen ausgehaltene Medien, professionelle Lohnaktivisten, querulantische Organisatoren von Demonstrationen, das Netzwerk von durch internationale Spekulanten finanzierter NRO-s, die durch den Namen von George Soros zusammengefasst werden und die er verkörpert. Gegen diese Welt müssen wir kämpfen, um die eigene zu verteidigen.

Nur der Kampf gegen das Soros-Imperium, das Ungarn wie ein Objekt behandeln wolle, könne die Umvolkung aufhalten:

Wir glauben auch weiterhin an die Kraft der Liebe und des Zusammenhalts, aber wir werden dagegen kämpfen, was das Imperium von George Soros mit Ungarn macht und machen will. Das ist unsere Heimat, das ist unser Leben, wir haben keine andere, deshalb werden wir um sie bis zum Letzten kämpfen, und wir werden nie aufgeben.

Wir wissen, dass am Ende sie in allen Wahlbezirken unseren Kandidaten gegenüberstehen werden. Ihre Aufgabe ist es, nachdem sie an die Macht gelangen, den großen Plan zu vollstrecken. Den großen Plan, das den Einwanderern im Weg stehende Ungarn zu brechen, und zuerst tausende, dann zehn- und hunderttausende im Laufe von einige Jahren nach Ungarn anzusiedeln.

Bei diesen Zahlen gibt es keinerlei Übertreibungen. Europa steht jetzt schon unter Invasion. Wenn wir es zulassen, werden in den folgenden ein-zwei Jahrzehnten zehn- und viele weitere zehn Millionen Menschen sich von Afrika und dem Nahen Osten nach Europa auf den Weg machen.

Doch der Feind sei tückisch und verschlagen. Das „Herrchen“ Soros lasse seinen Einfluss hinter den Kulissen spielen. Seine Marionetten in der ungarischen Politik versuchen zu verschleiern, in wessen Dienst sie stehen, wessen Agenda sie – gegen die Mehrheit der Ungarn – verfolgen. Rettung könne die Nation deshalb nur in Einheit finden, wenn sie sich nicht spalten und gegeneinander aufhetzen lasse:

Wir können keine Illusionen haben. Wir sollten aus der Vergangenheit lernen. Sie haben selbst zugegeben, dass sie in der Lage sind, am Morgen, zu Mittag und auch am Abend zu lügen, ohne auch nur Luft zu nehmen.

Mag sein, dass scheinbar mehrere Kandidaten antreten, einige mit angezogener Handbremse, andere werden im letzten Moment zurücktreten, wiederum andere werden so tun, als ob sie gar nicht da wären. Wir müssen uns auch darauf vorbereiten, dass sie es auch in Tarnkleidung versuchen werden, zuletzt hatten sie sich auch hinter einen als Unabhängiger getarnten Kandidaten versteckt.

Sie wagen es nicht, sich offen zu ihrem Herrchen zu bekennen. Sie wissen, dass wenn sie sich offen vor die Öffentlichkeit des Landes hinstellen und bekennen würden, in wessen Sold sie stehen, dann haben sie keine Chance. Ein jeder weiß, dass wir, die Einwanderung ablehnenden Ungarn, in der Mehrzahl sind. Unsere Gegner haben nur dann eine Chance, wenn es ihnen gelingt, unser Lager zu spalten, wenn es ihnen gelingt, unsere Einheit aufzulösen.

Sie argumentieren nicht, sondern zensieren, sie fechten nicht, sondern zwicken, treten, beißen und verstreuen den Samen des Hasses, wo immer sie auch gehen. Wir sind milde und heitere Menschen, doch sind wir weder blind noch sind wir Einfaltspinsel. Nach den Wahlen werden wir selbstverständlich Genugtuung nehmen, moralische, politische und auch juristische Genugtuung, doch jetzt können wir weder unsere Kraft noch unsere Zeit auf so etwas verschwenden.

Wir müssen die Angriffe von uns abschütteln, wie der Hund das Wasser. Wir müssen unsere Kraft nur für unsere Mission, unser gemeinsames Ziel, die Verteidigung Ungarns verwenden. Vergessen wir nicht das erste Gesetz des Wahlkampfes: In der Einheit liegt die Kraft, ein Lager, eine Fahne, und wir brauchen einen jeden.

Aber wer ist dieser Feind? Orban hat sich bisher in seiner Rede nur in Andeutungen ergangen, auch weil er natürlich weiß, dass seine Anhänger nicht zuletzt dank der langen Anti-Soros-Kampagne der Regierung und der regierungsnahen Medien mit dem Feindbild „Soros-Imperium“ schon gut vertraut sind. Zum Schluss aber beschreibt Orban den Feind noch einmal. Interessanterweise wird er nicht konkret, nennt keine Namen, Organisationen, Pläne, oder ähnliches. Sondern er beschreibt das Wesen des Feindes:

Ich weiß, dass dieser Kampf für alle schwer ist. Ich verstehe auch, wenn einige erschrocken sind. Das ist verständlich, denn wir müssen mit einem Gegner kämpfen, der anders ist, als wir es sind.

Es kämpft nicht mit offenem Visier, sondern er versteckt sich, er ist nicht geradeheraus, sondern listig, nicht ehrlich, sondern bösartig, nicht national, sondern international, er glaubt nicht an die Arbeit, sondern spekuliert mit dem Geld, er hat keine eigene Heimat, da er das Gefühl hat, die ganze Welt gehöre ihm. Es ist nicht großzügig, sondern rachsüchtig und er attackiert immer das Herz, besonders dann, wenn dieses rot, weiß und grün ist.

Das ist der Feind. Früher nannte man das: das internationale Judentum.

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